Echte Seckel oder Lauter Bekloppte?

Wer glaubt, ein Auto sei ein Beförderungsmittel und Autofahren die schlichte Beförderungstechnik, irrt gewaltig. Zumindest in der Region Stuttgart, dem Herz des Autoländles, ist das Heiligs-Blechle-Thema mit Leidenschaft und Ehre verbunden. Das gilt nicht etwa nur für Konstrukteure, sondern insbesondere auch für die Piloten, deren Herkunft man dummerweise auch noch an ihrem Nummernschild erkennen kann. Mancher Autofahrer soll seinen Wohnsitz nur deshalb in die Landeshauptstadt verlegt haben, um vor dem Strich ein S auf dem Blech zu haben – und damit nicht ständig beschimpft zu werden. „Hüte dich vor Eis und Schnee, vor WN, ES, LB“ lautet schließlich der gar nicht arroganzfreie Großstädterslogan. Die mit den Anfangsbuchstaben ES gelten als „Echte Seckel“, LB steht für „Lauter Bekloppte“, und WN-Autofahrer stehen als „Württembergs Nieten“ auch nicht gerade hoch im Kurs.

Wer das als veraltet-tradierte regionale Feindschaften abtut, möge sich im weltweiten Netz eines Besseren belehren lassen: Auf der eher von jüngerem Publikum frequentierten Internetplattform Facebook beispielsweise wird die Frage gestellt „Was denkt ihr, sind die mit dem AA oder dem WN auf dem Kennzeichen die schlimmeren Fahrer?“ Was schließlich in den Einwand mündet: „Da fehlt noch ES.“ Lediglich OF, die Hessen „Ohne Führerschein“, kommen annähernd auf eine ähnliche Huldigungsdichte wie die Schwaben.

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© Stuttgarter Zeitung
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