Ärger im Paradies: „The Descendants“

Nur noch selten bekommen wir einen Hollywoodfilm zu sehen, der aussieht wie dieser von Alexander Payne: erwachsen in seinen Themen, traurig und komisch, verdammt gut gespielt bis in die Nebenrollen hinein (Beau Bridges braucht nur drei Auftritte, um klarzumachen, wie man als reicher Erbe auf Hawaii fett wird und dabei lässig bleibt), mit einer gewissen Distanz gedreht zum Unglück, das hereinbricht, und ohne Sentimentalität, was seine Folgen angeht.

Früher einmal war das der amerikanische Mainstream – ein Kino, das einem das Herz ein bisschen wärmte, ohne dass man allzu misstrauisch wurde über den Realitäts- und Sinngehalt des Ganzen. Das Figuren in eine extreme Lage zwang, über deren katastrophale Folgen wir immer noch lachen konnten. Es war ein Kino, das trotz allem an die Möglichkeit glaubte, Menschen könnten sich ändern und ihr Leben, das an ihnen vorbeiging, doch noch an sich ziehen, obwohl nichts dafür sprach, dass sie anfangen würden, nach lebenslang falsch getroffenen Entscheidungen mal den richtigen Weg zu wählen.

Es waren Familienfilme im besten Sinn, denken wir an Spencer Tracy oder Joel McCrea, die Figuren spielen konnten, wie sie jetzt George Clooney bekommt – der dabei ganz heutig aussieht und sich benimmt wie einer, dem das Paradies, das es früher auch noch gab, ziemlich wurscht ist. Und die Mode von früher auch. Zum Beispiel in „The Descendants“. Da trägt er Bootslatschen, wildgemusterte Hemden und Bermudashorts.

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© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2012

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