Ein Kunstwerk auf den zweiten Blick

Eine unauffällige Mulde: der Abendstern von Micha Ullmann. Foto: Horst Rudel 

Eine unauffällige Mulde: der Abendstern von Micha Ullmann. Foto: Horst Rudel
 
Auf den ersten Blick fällt er überhaupt nicht auf. Auch die Wegbeschreibung ist ungenau: an der Straßenecke Bolz-/Stauffenbergstraße. Leicht zu finden ist er aufgrund dieser Angabe nicht. Aber kein Wunder, denn er hat schließlich nur knapp vier Zentimeter Durchmesser. Micha Ullmans Abendstern ist fast nichts. Lediglich eine halbkugelförmige Vertiefung in einer der Gehwegplatten an der Kreuzung der beiden Straßen. Und kein Schild weist auf das minimalistische Kunstwerk hin.Nur wer ganz genau hinschaut, entdeckt die 1996 eingravierte Mulde im Boden. Der Sinn des Kunstwerks erschließt sich auf den ersten Blick nicht. Beinahe wie ein Loch im Boden sieht es aus, welches vielleicht auch zufällig dahin gekommen sein könnte.

Doch die kleine Mulde zeigt ihre Wandlungsfähigkeit: Wenn die Sonne scheint, ist die kleine Höhlung wie eine Uhr. In ihrem Inneren reagiert sie mit einem Schattenmuster auf den Sonnenstand, das nach Tages- und Jahreszeit wechselt. Füllt sich der Abendstern mit Regenwasser, wird er zum glänzenden Himmelsspiegel. Der Abendstern soll eine Zäsur darstellen, die dem aufmerksamen Passanten plötzlich eine neue Dimension erschließen kann: Das große Ganze bündelt sich im Winzigen.

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© Stuttgarter Nachrichten
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