Wofür dieser Staat einsteht

Die feierliche Rede der Kanzlerin für die Opfer des NSU-Terrors war die einzig denkbare Geste. Der Staat war sie seinen Bürgern ausländischer Herkunft schuldig. Die Integration darf nie mehr durch Gewalt in Frage gestellt werden.

Gedenken an Neonazi-Opfer in Berlin© dpa„Kerzen der Hoffnung“ im Konzerthaus am Gendarmenmarkt

Ein Staat, der gezwungen ist, seine Bürger um Verzeihung zu bitten, ist schwach – ein Staat hingegen, der seine Bürger tatsächlich um Verzeihung bittet, ist stark. Die Bundeskanzlerin hat die Kraft aufgebracht, die Angehörigen der von Neonazis Ermordeten um Verzeihung zu bitten – nicht für die Verbrechen an sich, für die der Staat keine unmittelbare Verantwortung trägt, sondern für die falsche Verdächtigung der Opfer, die von Behörden und damit vom Staat selbst ausgesprochen worden sind.

Die Kanzlerin bat um Verzeihung, sie hat das Wort von der Entschuldigung vermieden: der Staat, dessen Sicherheitsorgane nach den ersten Morden auf die falsche Spur gerieten und daher weitere Opfer nicht verhindern konnten, steht in der Schuld nicht allein der Hinterbliebenen, sondern ganzer Bevölkerungsgruppen, deren Bedrohung nicht durch staatliches Durchgreifen beendet wurde, sondern erst durch die Selbstmorde der bis zuletzt unentdeckten Täter. Die feierliche Rede der Kanzlerin war die einzig denkbare Geste; der Staat war sie seinen Bürgern ausländischer Herkunft, jedoch ebenso der ganzen Gesellschaft, eigentlich auch sich selbst, schuldig. Diese Geste ist zugleich ein wichtiger Teil des politischen Vermächtnisses des früheren Bundespräsidenten Wulff.

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© Frankfurter Allgemeine Zeitu

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