Wir werden uns doch wiedersehen

Unsterblich: Johnny Cash. (Bild: Universal/Christine Cano) Foto: dpa 
Unsterblich: Johnny Cash. (Bild: Universal/Christine Cano) Foto: dpa

Als es im April 2011 gilt, Abschied zu nehmen von Kurt Weidemann, einem der einflussreichsten deutschen Gestalter seit 1960, muss am Ende eine Lüge helfen. „We will meet again“ singt Johnny Cash – und für einen ­Moment glauben wir ihm.

Es geht weiter. War das nicht auch die Botschaft der fünfteiligen „American Recordings“-Reihe von Cash, deren fünftes Album 2006, erst drei Jahre nach dem Tod des Sängers, veröffentlicht worden ist? Kurz vor seinem Tod im September 2003 hatte Cash die Gesangsspuren aufgenommen, um den Rest kümmerten sich neben Produzent Rick Rubin noch Benmont Tench (Keyboards), Mike Campbell (Gitarre) und David Ferguson (Toningenieur). „Help me to walk another mile / just one more mile / I’m tired of walking all alone“, singt Cash mit gebrochener Stimme in dem eindringlichen ersten Song „Help Me“ – und klingt dabei so, als ob er genau wusste, dass er keine 100 Highways mehr sehen wird.

Der junge Cash singt Gospels zur Gitarre

„American V – A Hundred Highways“ ist eine berührende Songsammlung, die zwischen dem Tod seiner Frau June Carter im Mai 2003 und seinem eigenen im darauffolgenden September entstanden ist. Cash resümiert sein Leben als Country-Legende („Legend In My Time“), erinnert sich an wunderbare Zeiten („Love’s Been Good To Me“) oder interpretiert den wunderbaren Song „If You Could ­Read My Mind“. Zwischen den zahlreichen ­Coverversionen von Hank Williams, Rod McKuen oder Bruce Springsteen finden sich zwei Eigenkompositionen. „Like The 309“ ist der allerletzte Song, den Cash komponierte, in „I Came To Believe“ wendet er sich an eine höhere Macht und klingt nach einem, der zufrieden ist – mit sich und überhaupt. Alles hätte ja auch ganz anders kommen können. Man muss das nicht nachlesen, man kann es in James Mangolds berührender Verfilmung von Cashs Leben noch einmal ein Stück erleben. „Walk The Line“, 2006 in die Kinos gekommen, beginnt kurz vor Cashs ­legendärem Auftritt im kalifornischen Folsom Prison. Die Werkstatt dient als Künstlergarderobe, und der Sänger starrt eine Kreissäge an, die ihn zurückführt in die Kindheit. Damals ließ er seinen Bruder an einer solchen Säge allein, und dieser kam daran um. Der Vater hat ihm nie verziehen, ein Konflikt, der Cash lange verfolgen wird.

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© Schwarzwälder Bote
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