Grauen sitzt noch in allen Ritzen

Die frühere Gestapozentrale in Köln, keine zehn Gehminuten vom Dom entfernt. Foto: EL-DE-Haus 
Die frühere Gestapozentrale in Köln, keine zehn Gehminuten vom Dom entfernt. Foto: EL-DE-Haus

Stuttgart/Köln – Niemand ist damals gern an der Gestapozentrale am Kölner Appellhofplatz, der keine zehn Minuten vom Dom entfernt liegt, vorbeigegangen: denn das Haus hatte eine düstere Aura, manchmal hörte man Schreie aus dem Keller, und meist stank es furchtbar. Was erst später bekannt wurde: oft waren bis zu 30 Personen in einer der zehn kleinen Zellen zusammengepfercht gewesen, und die Notdurft musste in einen Kübel verrichtet werden. Auch munkelte man von Hinrichtungen – wie sich nach dem Krieg herausstellte, sind im Hinterhof etwa 400 Menschen, die die Nazis für Reichsfeinde hielten, erschossen oder erhängt worden. „Einmal hörte ich von der Elisenstraße her ein fürchterliches Geschrei“, erinnert sich die Anwohnerin Wilhelmine Hömens: „Man konnte den Schreien entnehmen, dass es sich um Menschen handelte, die ihren Tod vor Augen sahen.“

Verblüffende Parallelen

Im Jahr 1981 war in diesem sogenannten EL-DE-Haus (die Initialen stehen für den Erbauer Leopold Dahmen) eine Gedenkstätte eröffnet worden, die im Laufe der Zeit zu einem NS-Dokumentationszentrum ausgebaut worden ist. Der Besuch in Köln ist vor allem spannend, weil dieses Haus die Blaupause sein könnte für das Hotel Silber in Stuttgart, das nach dem Willen der Landesregierung nun ebenfalls in eine Gedenkstätte umgebaut werden soll.

Die Parallelen sind in der Tat verblüffend. In beiden Häusern saß von Mitte der 1930er Jahre an die Gestapo und betrieb im Keller ein eigenes Gefängnis, in dem gefoltert und getötet wurde. Beide Häuser haben eine edle Herkunft: In Stuttgart beherbergte das Gebäude lange ein Luxushotel, in Köln war das Haus als nobles Geschäftshaus gedacht gewesen – der Marmor auf dem Boden und an den Wänden reicht bis zum Treppenabgang, von wo die Opfer zu den Haftzellen hinabgestoßen wurden.

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© Stuttgarter Zeitung

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